Fünf Jahre lang hast du dir Splitter aus den Fingern gepult. Mehrmals hast du dir die Finger aufgerissen und blaue Flecken davongetragen. Für den Rest deines Lebens wirst du eine Narbe am Kinn haben, weil es die Garderobenfrau einmal gut mit dir meinte und dir stabile Synthetikhandschuhe gegeben hat, die aber so rutschig waren, dass du aus drei Metern Höhe viel zu schnell und mit dem Kopf voran auf die Bretter geschlagen bist.
Oft hast du mit glasigen Augen am Bühnenrand gestanden, wenn Lisbeth ihrem Michael Lebewohl gesagt und ihm versichert hat, dass er die Antworten auf seine Frage wissen werde, wenn sie sich wiedertreffen.
Und dann stehst du ein letztes Mal da und verbeugst dich, während knapp tausend Menschen applaudieren, doch das einzige, was in diesem Moment zählt, ist, dass der unfreundliche Nachbar, den du aus einem unbestimmten Gefühl heraus noch nie so recht leiden konntest, in der ersten Reihe sitzt, dich angrinst und dir zuruft, dass die Vorstellung echt gut gewesen sei.
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